Märklin: Gläubiger genehmigen Insolvenzplan

Märklin E-Lok aus den 1950er Jahren

Die Gläubiger von Märklin haben einer Abschlagszahlung und einer Weiterführung des Unternehmens in Eigenregie zugestimmt.
Mit 99,8 % hatte am heutigen Dienstag, 21. Dezember 2010, die Gläubigerversammlung dem Plan zugestimmt, die Firma Märklin erst in den nächsten Jahren an interessierte Investoren zu verkaufen.
Aus dem laufenden Geschäftsbetrieb sollen zunächst 33 Millionen Euro an die Gläubiger erstattet werden. Dies sind zehn Prozent des Gesamtgläubigervolumens. Die restlichen 90 Prozent sollen dann später bei einem Verkauf an die Gläubiger zurückgezahlt werden.
„Alle Beteiligten sind sich darin einig, dass der Investorenprozess ohne jeglichen Verkaufsdruck weiter betrieben werden soll“, sagte Insolvenzverwalter Michael Pluta nach dem Gläubigertreffen. Auch die noch verbleibenden Beschäftigten des Modellbahnherstellers haben dem Insolvenzplan zugestimmt. Das Ergebnis hat auch eine drohende Zerschlagung der Marken, Märklin, Trix und Lehmann abgewendet, da diese zu einem schlechteren Ergebnis für die Gläubiger geführt hätte.

Die Sanierung eines insolventen Unternehmens ohne Geld von Investoren kann als ungewöhnlich angesehen werden. Michael Pluta hatte sofort nachdem er mit der Insolvenzverwaltung beauftragt wurde durch die  Entlassung eines überdimensionierten Beraterstabes von sich reden gemacht. Auch mehrere Interessenten für das Unternehmen hat er abgelehnt, weil sie ihm nicht als kompetent genug erschienen oder weil sie die geforderten Investitionen von mindestens 100 Mio. Euro nicht leisten wollten.

Nach Stellenabbau und Sparkurs bestätigte der Wirtschaftsprüfer die mittelfristige Unternehmensplanung, die in den kommenden Jahren ein kontinuierliches Umsatzwachstum von jeweils etwa 2,5 Prozent vorsieht. Außenstände wurden reduziert und die Eigenkapitalquote liegt inzwischen wieder bei fast 30 Prozent.
Die ursprüngliche Umsatzplanung 2010 werde zwar nicht erreicht, aber durch eine neue Sparrunde kann das geplante Ergebnis vor Steuern und Zinsen in Höhe von gut neun Mio. erwirtschaftet werden.

Die Märklin Holding, die von den Gläubigern kontrolliert wird, soll als Unterstützung und Überwachung der Geschäftsführung einen dreiköpfigen Experten-Beirat erhalten. Dieser soll sich aus einem Vertreter der Gläubiger, dem Insolvenzverwalter und dem bisherige Geschäftsführer Kurt Seitzinger als Vorsitzender zusammensetzen.
Es fehlt jetzt noch die Zustimmung der Finanzbehörden und der Stadt Göppingen, um den Insolvenzplan in Karft treten zu lassen.

Im Jahre 1859 gründete Theodor Friedrich Wilhelm Märklin die Firma in Göppingen, die zuerst Puppenküchen und Blechspielzeug herstellte. Vierzig Jahre später wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse die erste „Systembahn“ mit einer Lokomotive, die von einem Uhrwerk angetrieben wurde, mit Waggons und einer Schienenanlage.

Krieg- und Friedenszeiten hat die Firma überlebt, aber Ende der 1990er Jahre sanken sowohl Umsätze als auch die Gewinne.Als im Jahre 2004 die Firma in die „roten Zahlen“ rutschte, wurde Märklin 2006 von den Eigentümerfamilien Märklin, Friz und Safft and den britischen Finanzinvestor Kingsbridge verkauft. Anfang März 2009 meldete die Firma Insolvenz an, da sie 90 Mio. Euro Schulden hatte, was etwa einem Jahresumsatz entspricht.
Märklin beschäftigt heute noch rund 900 Mitarbeiter an den Standorten Göppingen und Györ in Ungarn.

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